Gefahr oder Chance?

Thomas Kemmerer, aus Walldorf stammend, ist Journalist beim Konzern Ippen Media, der ein riesiges Spektrum an Pressearbeit vertritt, von Boulevard-Medien bis zu ernsthaftem investigativem Journalismus. Wenn ein Journalist über Künstliche Intelligenz als Hilfsmittel des Journalismus spricht, dann ist er sich darüber bewusst, dass sich seine von der Pike auf gelernte Arbeit in recht kurzer Zeit verändert: KI übernimmt Aufgaben, die man vorher, sehr zeitaufwendig und mühsam, händisch, in Archiven und vor Ort erledigen musste.

Thomas Kemmerer betonte, dass Journalismus und damit der Erfolg der Pressearbeit in erster Linie mit dem Vertrauen der Leser und Konsumenten zu tun hat. Aber auch mit dem Vertrauen der Gruppen in die Medien, die Gegenstand journalistischer Berichterstattung sind: Politiker etwa oder Wirtschaftsvertreter.

Bei KI sind da zwei Punkte auffällig. Zum ersten gibt es weiterhin Zweifel an der Zuverlässigkeit der Künstlichen Intelligenz. Und zum zweiten hat man Angst, dass Informationen manipuliert werden können. Dies trägt zu einem allgemeinen Vertrauensverlust bei und führt zu Zweifeln an dem ursprünglichen Geschäftsmodell ernsthafter Medien, denn der unabhängig gedachte Journalismus gerät damit unter Druck. 

Auf der einen Seite entlastet KI die Redaktionen deutlich. Transkripte von Interviews, die Recherche in den scheinbar unendlichen Archiven des Internets, Foto- und Videobearbeitung und die Produktion von Texten und Artikeln – das alles geht mit KI deutlich schneller und effizienter. Die Frage ist: Bringt und die Datenflut und der leichtere Zugriff auf Informationen einen billigeren Journalismus, insofern Personal eingespart werden kann? Oder bringt es auch einen besseren Journalismus?

Kemmerer sieht drei Kriterien als besonders wichtig für einen besseren Journalismus.

Die Exklusivität von Nachrichten, Gesichtern (Journalisten), die den Gesprächspartnern vertraut sind und die als Fachleute bekannt sind, und die Möglichkeit, nicht nur vom Rechner aus zu recherchieren, sondern tatsächlich dort zu sein, wo die Informationen entstehen, nämlich vor Ort.

Je verständlicher und überschaubarer Informationen für die Leser:innen und Konsument:innen sind, desto besser können sie beurteilen, ob die Infos faktisch richtig sind und ob sie relevant sind für die Zielgruppe. Je lokaler, desto größer ist das Vertrauen in die Medien.

Kemmerer stellte sich nach dem Vortrag noch den Fragen des Publikums. Man machte sich Sorgen darum, wie es weitergeht. Welchen Medien kann man noch trauen? Wo gibt es noch echten Journalismus, der nicht tendenziöse Meinung bilden will, sondern versucht, objektiv Bericht zu erstatten? Und wie sieht die Zukunft wirklich aus, mit einer von TikTok und anderen digitalen Medien geprägten Jugend, die die Informations-Konsumenten der Zukunft sein werden?

Dass das Thema hochaktuell ist, zeigte die stattliche Zuhörerschar von knapp 100 Menschen, die dem Vortrag lauschten und dann engagiert mitdachten und -diskutierten.

Konflikte im Cyberraum: Kriege unter dem Radar der Öffentlichkeit?

Zu diesem spannenden Thema hatte punktsieben am 6. Juli ins Gemeindehaus geladen und mit großem Interesse folgten das gut gefüllte Auditorium Dr. Kerstin Zettl-Schabath, einer ausgewiesenen Expertin der Deutschen Cyber-Sicherheitsorganisation (DSCO), die ihren Vortrag selbst als "wilden Ritt" durch durch die Landschaft der Cybersicherheit bezeichnte.

Die Zuhörer erhielten eine Einführung in die derzeitigen Möglichkeiten, die die Staaten nutzen können - und nutzen, um die Strukturen anderer Staaten anzugreifen oder arbeitsunfähig zu machen. Klar wurde vor allem: Der „Cyber-Krieg“ findet unter ganz anderen Voraussetzungen als der analoge Krieg statt: Die Auseinandersetzungen im Cyber-Raum werden von Staaten, Einzelpersonen oder Organisationen durchgeführt. Diese sind, wenn sie wollen, anonym, und ihr Ziel ist nicht die physische Vernichtung eines Gegners, sondern die informationstechnische Ausschaltung oder zumindest Störung.

Bisher erfährt die Öffentlichkeit vor allem von sogenannten „Ransomware“-Angriffen: Firmen oder auch Privatleute werden zu Geldzahlungen erpresst, damit ihr gekaperter Computer wieder freigeschaltet wird. Es ist bekannt, dass sowohl einzelne Hacker als Staaten (Nordkorea) diese Form der Erpressung praktizieren. Auch Cyberspionage, etwa in der Industrie, oder auch Sabotage sind möglich.

Ohne dass die Öffentlichkeit es mitbekommt, sind Firmen wie der Arbeitgeber von Frau Zettl oder auch staatliche Organisationen wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dauerhaft damit beschäftigt, immer neue Bedrohungen zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu erarbeiten.

Man kann davon ausgehen, so Zettl-Schabath, dass jeder moderne Staat in diesem Bereich aktiv ist. Besonders hob sie die USA, Russland, China, den Iran und Nordkorea hervor. Das Spektrum staatlicher Cyberangriffe reicht von Erpressung zur Geldbeschaffung bis hin zur Sabotage ganzer Informationsnetze in einzelnen Staaten.

Man kann laut Zettl-Schabath noch nicht von einem ausdrücklichen Cyber-Krieg sprechen. Die Cyberangriffe flankieren aber immer stärker die kriegerischen Maßnahmen auf den Schlachtfeldern und gewinnen mit einer zunehmenden Digitalisierung von Kriegsgerät (Drohnen usw.) eine wachsende Bedeutung.

Insofern ist und bleibt die Cybersicherheit in Thema, das uns alle betrifft, aber bislang nur für wenige aber zugänglich ist. Mit ihrem klaren, lebhaften Vortrag hat es Dr. Kerstin Zettl-Schabath an diesem Abend aber geschafft, ein Zugang in diese komplexe Materie zu schaffen.